Mittwoch, 20. September 2006
Was ist Gott? V 0.7
Ich möchte hier einmal sagen, dass es mir irrelevant erscheint über die Existenz von Gott zu diskutieren. Dazu gibt es ein ausuferndes Meer von Schriften und nicht endende Ströme von Diskussionen. Ich glaube, niemand kann tatsächlich sprachlich oder textuell von Gottes Existenz überzeugt werden; und falls doch, dann ist dieses Überzeugtsein wohl eher bedeutungslos. Wie es ja abertausende Menschen gibt, die zwar sagen und mitunter beteuern, sie glaubten an Gott, aber, sie haben keinerlei bewußten Anteil an einem Glaubensleben. Da ist Gott nichts anderes als ein sich Positionieren im Intellektaspekt des Menschen. Die von den Christen vielfach praktizierte Missionierung ist denn auch in meinem Verständnis eher ein intellektuelles Irritieren und Einfangen des Menschen durch Zuwendung und Liebe; mitunter aber auch durch Praktiken der psychologischen Manipulation.

Gott ist ein zentraler mythologischer Begriff, der das zur Sprache Bringen eines Lebenswelt- und Jenseitsverhältnisses ermöglicht; das nur verständlich wird, wenn man in die Gottnatur oder das Glaubensleben eingeht.

Diese Glaubensleben hat als ein Charakteristikum, dass es eine Lebenswelt ist, die jenseits des Intellekt lokalisiert ist, also dem intellektuellen Menschen erst erfahrbar wird, wenn er sich transzendiert; mit anderen Worten, wenn er seinen Intellekt ausschaltet oder zur Ruhe bringt, oder noch einmal anders gesprochen, wenn er sich und die Welt nicht mehr mit den Bildern seines Intellekt sieht und sich damit identifiziert.

Hier der Versucher einer Skizzierung des Essentiellen dieser Metaphysik, wie sie die Christen verstehen: Sie sehen sich darin als Kinder eines jenseits aller Vorstellungen omnipotenten Gottes. Gott ist in der Gemeinschaft seiner Kinder gegenwärtig. Sie sind des ewigen Lebens in seiner Liebe versichert; und haben Anteil an seinem Licht. Worum sie Gott bitten, das wird ihnen zuteil.

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Dynamik der Liebe V 1.0
Liebe Leser von Epiphanius' Wortbruch. Ich grüße Sie herzlich aus der Missionshütte der Mission für das deutschsprachige Europa und möchte sie heute morgen ein wenig auf die Spuren der Liebe setzen; sie ihnen so zu sagen schmackhaft machen. Meine Blogfreunde werden hier vielleicht etwas große Augen machen und womöglich auch mit den Ohren schlackern. Die Begrüßung mit der Mission ist natürlich nicht so ganz ernst gemeint. Ich habe diese mir aus täglichem Gebrauch lieb gewordene Formel von der seelischen und geistlichen Tankstelle im Internet entwendet und modifiziert: http://www.auftanken.de/. Damit ist aber nun auch gleich wieder Schluss und der nachfolgende Text authentisch reiner Epiphanius.

Hier nun mein Versuch an einer kleinen Dynamik der Liebe.

Suchet zuerst das Reich Gottes, dann wird euch alles gegeben.

Ohne die immer wieder erneuerte primäre Hinwendung zu Gott erlischt unsere Liebe, unsere Liebesfähigkeit.

Wir sind dann wie in einem Gefängnis in uns selbst und mit dem Partner.

In der Gottsuche schaffen wir einen Abstand zu uns selbst und zu unserem Partner.

In dieser Transzendenz erst können wir uns selbst wirklich akzeptieren und begreifen wie und was wir sind; in ihr erst können wir SEIN und einen Ruhepol finden, zur eigenen Ganzheit reifen.

Aus der Ruhe dieser Ganzheit erwächst uns die Fähigkeit den Partner als das zu erkennen was er ist, und zwar in einer Weise, die ihn selbst sich Selbst SEIN läßt, ihn nicht verbiegt.

Hier haben beide Partner Raum und Freiheit, hier lieben sie sich in der Liebe Gottes.

Und diese Liebe grenzt auch keinen anderen Menschen aus, sie hat keine Angst auch dem Bettler auf der Strasse zu begegnen, sie hat kein illusionäres Selbstbild mehr, sondern fühlt sich selbst in allen Menschen einschließlich der ganzen Schöpfung; hieraus erwächst das genuine Mitleid und Mitgefühl, dieses lässt sich auch nicht irritieren von dem eventuell aggressiven Verhalten eines Gegenüber.

Hier ein Konzept meines Verstehens der Liebe erweitert um den Aspekt der körperlichen Vereinigung.

In der Bibelsprache ist das dieses Ein Fleisch Werden zweier Menschen.
Es generiert eine sehr starke Partnerbindungen; welche sich ja auch damit erklären läßt, dass Kinder gezeugt werden und groß gezogen werden müssen.

Wenn diese körperliche Vereinigung, der Sex der Partner, nicht gerade in gewissen trantrischen Formen praktiziert wird, hat sie als Ergebnis, dass die Transzendenz oder Gottesnähe für ein Weile erlischt oder vermindert wird; die Partner sich also extrem nahe kommen auf kosten der Gottesnähe; das heißt also auf kosten der göttlichen Liebe.

Man merkt dies manchmal ganz eklatant daran, dass sich das Verhältnis der Partner zur Welt in einer Form ändert, die ein nun deutlich werdendes Getrenntsein von der gemeinschaftlichen Sphäre signalisiert. Ja, sich sehr körperlich liebende Paare werden oft sogar von der Umwelt befeindet.

Dieses Separatverhältnis durch die körperliche Liebe wird übrigens in dem christlichen Ritus der Eucharistie wieder aufgehoben. Das ist meiner Meinung nach ein Hauptaspekt dieses gewaltigen Mysteriums.

Ganz extrem sichtbar wird dieses Separationsphänomen auch durch die Praxis exzessiven Sexes. Da stürzen dann mythisch gesprochen alle Himmel ein; die Partner sehen sich plötzlich mit der Tatsache konfrontiert, dass sie keine tragfähige seelisch psychische Basis mehr finden.

Aus dem Gesagten wird deutlich, dass es durchaus auch einen Sinn macht, weshalb die katholische Kirche von ihren Priestern das Zölibat fordert. Die Priester sollen ein ununterbroches Bewußtsein der Gottesliebe und damit dieser universellen Liebe zu ihrer Gemeinde leben. Das ist natürlich eine äußerst schwierige Forderung. Wer es jedoch schafft, der wird in dieser göttlichen Liebe so stark, dass er ein gewisses Charisma, eine Ausstrahlung, auch eine besondere Kraft und Einsicht in die mythologischen Sphären erlangt.

Mit freundlichen Grüßen aus Barwedelius verbleibe ich Ihr Epiphanius.

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Mythologisierung
Möchte hier mit dem Ansatz einer These zum Nachdenken und zur Diskussion anregen.

Wir leben heute in einem Kollektivgeist der durch Intellektualismus, Liberalismus und Rationalismus geprägt ist. Unsere mythologische oder religiöse Sphäre erscheint mir darin als geradezu amputiert. Von einer ethischen oder moralischen Grundhaltung des Bürgers wird heute nicht mehr ausgegangen.

Die Folge ist ein Zwang dazu immer mehr Lebensbereiche per Gesetz zu reglementieren und zu überwachen.

Hier beißt sich mir die Katze in den Schwanz; der so behandelte Bürger hört in der Folge auch immer weniger auf sein Gewissen und handelt nun vielfach nach der Devise, "was nicht verboten ist, ist erlaubt". Ganz eklatant sichtbar ist mir solches Verhalten in vielen Bereichen der Wirtschaft; sie hat eine alles pervertierende Schrittmacherfunktion in diesem Sinne.

Es ist ein Circulus vitiosus, die Gesetzgebungen und die Sicherheitsvorkehrungen und Überwachungen in dieser Endlosspirale weiterzudrehen. Der mir einzige Ausweg liegt in der Respektierung und Förderung des mythologischen Kerns des Menschen; seine religiösen Gefühle, seine Werte, seine Moral, seine Ethik, sein Gewissen, seine Würde zu achten und deren Differenzierung zu fördern; sie im jungen Menschen zu entwickeln.

Auch die bemerkenswerte Hysterisierbarkeit unserer Gesellschaft ist meiner Meinung nach bedingt durch diese Abkehr von der mythologischen Sphäre. Der Mensch lebt ohne sie nicht mehr im Vertrauensleben, er findet keine Kraft und Geborgenheit mehr, alles um ihn herum wird zur potentiell unsicheren und feindlichen Welt.

Die Forderung lautet denn auch, dass wir zu einer radikalen Umkehr finden müssen; zu einer geistigen, ethischen und moralischen Erneuerung, zu einer aufgeklärten sozialen Remythologisierung des Menschen.

Das heißt, unser Alltagsbewußtsein darf nicht nur von würdelosen unehrlichen Politiktheatern, Wirtschaftskrimminalität, und der endlosen Thematisierung von Problematiken, Fehlentwicklungen, Zukunftsängsten und Unzulänglichkeiten dominiert sein, sondern da müssen auch beispielhafte Lösungen, Zukunftsvisionen, die gute Nachricht, das rechte Tun, das beispielhafte Verhalten thematisiert werden. Die als richtig erkannten Ziele und Wege müssen mythologisch aufgeladen und geschickt verkauft werden. Das mobilisiert und belebt den Menschen. Warum gibt es keine Propaganda für die positiven Aspekte eines Europa? Warum gibt es keine Propaganda für ein friedliches und legitimiertes Zusammenleben der Staaten auf der Welt? Warum gibt es keinen Propagandafilm für eine zukunftsträchtige Ressourcenwirtschaft, für ein ökologisches Verhältnis der Menscheit zum Planeten? Ohne diese Vermythologisierung fehlt dem Menschen die Kraft. Nur Sex und Crime, Angst und Problematik schwächt ihn.

Des Menschen Geist ist ein Produkt der Gemeinschaft in der er aufwächst und lebt. Wenn sich nun alle darin als unabhängige Egoisten begreifen und nach dem Motto, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, ihre Ellenbogen schärfen und gleichzeitig paranoid nach Sicherheit rufen, dann läuft da etwas ganz böse schief.

Dieser aufbrechende Konflikt zwischen der fundamental islamischen Welt und dem Westen ist mir in der Essenz, der Konflikt zwischen mythologisch geprägtem Bewußtsein versus rationalistisch und intellektuell geprägtem Bewußtsein. Letzteres ist aus der Sicht des Ersteren der entkernte Mensch.

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Samstag, 2. September 2006
Heiligenkirmes
So ist denn auch der Rummel um die Heiligenbildnisse einmal zu beleuchten. Zahlreiche Stationen meiner Wanderjahren waren dies bezüglich von eine bitteren Desillusionierung geprägt. Die Konstellationen um Heiligenbildnisse und Wallfahrtsorte liessen mich diese dominant als hochprofitable Institute zur Spendenakquise erkennen.

Die ganz auf den Naivgläubigen abgestimmte süß theatralische Inszenierung eines Heiligentheaters mit anhängiger überbordender Paraphernalienwirtschaft und globaler Wallfahrtstourismusindustrie erscheint mir heute als ein abscheulicher instrumentalisierter Götzenkult.

Man könnte auch einwenden, die Kirche domestiziert hier ein großes, sonst vagabundierendes Bedürfnis. Diese Praxis ist ja über Jahrtausende erwachsen. Da war kein Kloster ohne ein Stück Holz von dem Kreuz oder dem Knochen oder Schweißtuch oder sonst Etwas eines Heiligen. Das bedeutete schon immer die Existenzsicherung und sie ist es ja auch noch, auch außerhalb; mein Beispiel hier die prosperierende Wunderwelt der Esoterik.

Jedes beispielhafte, gottesnahe Leben, dass von der Kirche post mortem zum Heiligen erklärt wird, wird so zu einem endlos sprudelnden Spendenquell veredelt.

Aber nicht nur die profitable Verklärung der Heiligen war mir Anstoß; auch die gloriose Inszenierung der Priesterschaft in manchen Kirchen sowie der Nonnen und Mönche in manchen Klöstern erschien mir als höchst suspekt. Ich fragte mich, mit welchem Recht wird hier Selbstverherrlichung betrieben. Das sind nicht Gottes Kleider! Ein positives Gegenbild durfte ich übrigens für ein paar Tage in der Communauté de Taizé erleben.

Da zündet sich mir auch die kritikale Frage, ob nicht solche Praxis sich selbst wieder ganz böse mit Bildern wie denen des Ablasshandels kompromittiert. Der Zweck heiligt nicht die Mittel.

Hier subsumiert sich mir das innere Wirken der Religionssozietät zu der Überschrift eines noch zu schreibenden Buches: Die Kybernetik der Herzenseröffnung, der Mythologisierung, der herrschaftlichen Manipulierung und Schröpfung des Menschen.

Jesus, was hat man aus Dir gemacht!

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Großes Leben
Wir sind umgangssprachlich verstanden, mit einem freien Willen ausgestattet und mit der größten Intelligenz in der Schöpfung. Diese Intelligenz erlaubt uns das Differenzieren, z.B. in niedere Instinkte, egoistisches Verhalten, soziales Verhalten, Hass, Liebe, Gut und Böse, Pervers und Natürlich und so weiter.

Wir können die Folgen unseres Verhalten abschätzen; Fehlverhalten registrieren; von Gerechtigkeit und Liebe sprechen; von Gesetz und Ethik; vom Hypokratischen Eid ... Diesen intelligenten Willen nicht zum Wohl zu nutzen ist Selbstschädigung wie Fremdschädigung, im Extrem Tod oder Leben.

Die höhere Intelligenz denkt über sich hinaus. Sie erkennt auch, dass sie selbst ein Produkt des Aufwachsens in der Gemeinschaft, ein Produkt der Sozialisation in der Zivilisation ist. Das heißt, unser Geist ist essentiell ein Gemeinschaftsgeist, aus ihm heraus geboren.

Wer dies bejaht, ist Teil des großen Lebens, wer dies verneint und denkt, "nein, ich bin nur ich und etwas Besonderes, etwas getrennt Existentes, ich und meine Wünsche und Bedürfnisse stehen über Allem" der hat nicht mehr oder nur noch bedingt Anteil am großen Leben.

Unsere Religionsgründe sind mir im Grunde auch genau diese Feststellung. Sie stifteten die ersten Regeln des großen Gemeinschaftsgeistes und die Rituale der Bewußtmachung des Selben ... reduziert betrachtet zum Beispiel das Abendmahl, die Eucharistie und die Taufe.

Falls Dir das nachvollziehbar ist, liegt vielleicht auch der Schluss nicht ganz fern, das Politik ein Teil dieser großen Intelligenz, dieses größeren Lebens ist oder sein sollte.

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Heiligenverehrung
Worte hier zu der Heiligenverehrung an Bildnissen und Symbolen, wie sie in einigen Kirchen von Gläubigen auch mit der Hingabe des Küssens verbunden ist.

Als im weltlichem Leben aus der Mode gekommen, fällt mir dazu als Entsprechung nur noch eine Werbeanzeige ein, auf der ein junger Mann in frivoler Manier einen Fächer aus Geldscheinen küsst. Wer küßt außerhalb der katholischen oder orthodoxen Kirche noch welche Gegenstände? Ja, da wird vielleicht noch das Bild eines geliebten Menschen den Lippen zugeführt.

Werden außerhalb der Kirche noch andächtig Symbole oder Gegenstände verehrt ohne sie zu küssen? Nun, da sind wir mitten drin angekommen in unserer Zeit; der Mensch scheint einen immanenten Sinn dafür zu haben; da werden Geld, Auto, Image, Status, Uhren, Schmuck, Kleider, Computer, das Neue verehrt. Die Werbeindustrie ist der milliardenschwere Lude dieses Triebes.

Wenn ich in die Verehrung auch noch die medialen Repräsentationen der Schauspieler und Musiker einbeziehe, wird das Maß endgültig voll. Wir sprechen hier schon von Idolen, was ja in seinem sprachlichen Ursprung das Götzenbild heißt.

Wenn ich von der Annahme ausgehen, dass das Verehrungsangebot in den Kirchen der nahezu blinden Verehrungswut an Banalitäten in der Welt ein qualitativ höherwertiges und wichtigeres Gut entgegenstellt, so springt doch das enorme Ungleichgewicht der Präsenzen im Leben sofort ins Auge.

Es finden sich keine werbetechnisch optimierten, animierten multimedialen Ikonen in den Schaufenstern, im Fernsehen oder im Internet. Es finden sich kaum Filme religiösen Inhalts, deren Anstoß von einer Kirche ausgeht. Wiewohl die katholische Kirche in ihren herrlichen, mitunter gewaltigen Prunk- und Prachtbauten aus diesem Blickwinkel heraus zumindest für die Geschmäcker früherer Zeiten einmal ausgesprochen gut platziert gewesen sein musste. Aber, es gibt ja nun auch die Kirchengroßveranstaltungen; so zu sagen die Kirchenwoodstocks, auf denen auch ihre Symbolwelt verhandelt wird.

Ich möchte diese Art der Symbolverehrung in den Kirchen hier ein wenig unorthodox zurechtrücken; und zwar am Beispiel der Maria mit dem Jesuskinde.

Im Leben geht für mich von Mutter und Säugling eine ungeheure Ausstrahlung aus, ein Ergriffensein; sie sind mir von einer großen Gottesnähe, von Seiner Heiligkeit umhüllt, von Ihr beschützt und verklärt.

Ich meine, die Verehrung gebührt also nicht dem Erinnerungsbild an dieses Gotteserscheinen am Menschen sondern der konkreten Mutter mit ihrem Kinde; in dem eben auch Jesus als Erlöser aufscheint.

Darin das weltnahe Heil Gottes zu sehen und sie zu lieben und zu unterstützen und zu beschenken ... wie es ja auch natürlicherweise vielfach geschieht ... daran zu erinnern, das ist es, meine ich, was das Heiligenbild in der Kirche dem Menschen sein sollte.

Analoges gilt wohl für all die anderen Heiligen ... nicht das Bildnis ist zu verehren sondern es gilt das Symbolisierte, das Beispiel der verwirklichten Gottesnähe im Leben zu suchen.

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Das Geistlich Arm
DIE BERGPREDIGT Kapitel 5,3: Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

Dieses Wortkonstrukt des "geistlich arm" der Bibel finde ich schwer verständlich. Viele fragen sich unwillkürlich ob da nun die in ihrer geistigen Entwicklung Zurückgebliebenen gemeint sind. Ich denke ja, sicher auch; jedoch beginne ich dieses „geistlich arm“ nun zunehmend folgendermassen zu verstehen ...

Und zwar als eine Demutshaltung, die bedeutet, ich identifiziere mich nicht mit meinen intellektuellen Fähigkeiten, sondern begreife sie als ein Geschenk, als eine temporäre Gnade. Die Seligkeit ist der gestillte Intellekt, das Schweigen und zur Ruhe kommen des weltlichen Denkens. Diese Stille ist Demut, Gnade, Jenseits, die Gottesnähe; das sich anlegen lassen der himmlischen Kleider; die Heiligung des Geistes, das sich zum Gefäß machen für die Inspiration. Sie mag insofern eine aktive Handlung sein, als ich mich ihr hingeben kann; in der Stillen Zeit, in der Meditation, im Gebet, im Sabbat, im Fasten, in einer Zeit des Nicht Handeln oder einer Pilgerfahrt.

Wer dies nicht beachtet, kann sich noch so vielen intelligenten Büchern widmen, er wird sich damit jedoch nur immer schwerer belasten und nicht mehr als weltliche Weisheiten erlangen.

Glauben ist mir in diesem Verständnis weniger die verbale Aussage, „ja, ich glaube an Gott“, sondern, das Glaubenswerk. Es ist seiner Natur nach wohl immer ein Handeln, das den Rahmen des weltlichen Denkens überschreitet. Zum Beispiel darin, etwas zu tun, was im alltäglichen Leben als nicht abgesichert und so mit persönlichem Risiko verbunden ist ... oder auch ein großes Opfer bedeutet ... dies zu tun, weil ich es als meine Gewissenforderung, als einen inneren Ruf oder als die ethische Entscheidung erachte.

Der Feigenbaum ohne Früchte ist mir am ehesten noch ein Gleichnis für den Menschen, der keine Glaubenswerke vollbringt.

Ich kann mich an eine sehr lebendige, improvisierte Bibellektion im Gemeinschaftsraum des Jaffa Hostel im alten Jerusalem erinnern. Ric, der Referent, war ein messianischer Jude aus Südamerika. Er erzählte unter Anderem, er habe in seinen Schriftstudien herausgefunden, dass das Holz des Feigenbaumes einstmals für den Altar benutzt wurde.

Wäre es nicht ein wunderschönes Bild, die Gaben auf dem Altar Gottes im Menschen, als aus seinen Glaubenswerken bestehend zu begreifen?

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