Donnerstag, 2. August 2007
Die Dialektik der Sünde
Die Gesellschaft befindet sich in dem Zustand der Gottesferne; ersichtlich ist dieser Befund vor allem daran, daß diese die Angst vor der ökonomischen Mangelsituation und die Angst vor dem Feind bzw. dem Konkurrenten in ihrem Handeln als absolute Bezugspunkte betrachtet. Aus der Sicht des Jahwisten ist es die Ursünde des Menschen, sich nicht mehr Gott als dem einzigen Absoluten zuzuwenden, sondern die nun pluralen Absolutsetzungen auf Relatives zu richten. Der einzelne Mensch in der Gesellschaft, der diese falschen Absolutsetzungen übernimmt, macht sich in gleicher Weise schuldig. Der Einzelne in seiner primären Orientierung an Gott ist also dazu berufen, das gottlose Angsthandeln aller auf Gott hin zu überschreiten. Hierin wird deutlich, daß der genuin in Gott Vertrauende die Welt mit völlig anderen Augen sieht und auch sein Handeln unter ganz anderer Prämisse steht. Hierin wird deutlich, daß aller zivilisatorische Fortschritt der Gesellschaft in fataler Weise zu immer mehr Gottesferne führen muß. Hierin wird deutlich, daß der Mensch in seinem Abfall von Gott unter dem Zwang steht, sich nunmehr selbst zum Gott-gleichen zu machen. ... So eine der Rekapitulationen des Autors in seiner Beschäftigung mit Eugen Drewermanns 'Strukturen des Bösen', einer exegetischen wie psychologischen und philosophischen Untersuchung zur jahwistischen Urgeschichte Gn 3,1-11. Zitat aus Band III S. 360: 'Die Dialektik der Sünde basiert auf einer ständig schuldhaften Als-ob-Notwendigkeit, die ich selbst für mich durch meinen Sündenfall konstituiere.'

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Sonntag, 29. Juli 2007
Im Linienspiel der Aurich-Feder
Samstag-Mittag-Schwebung auf der einzigen Bank im Schloßhof, auf dem Rasen vor der Front der Staatsanwaltschaft. Luftzug wiegt den Blattschatten gravitätischer Bäume. Nach der Haltlosigkeit im Strom der Flanöre, Sinnenruhe hier im Vogelsang. Den Kopf verglüht an Drewermannens Schriften, tastet er nach sich in den Worten der Situation; substanzlos scheinen sie ihm; Himmel, Wind und Sonne erzeigen ihm die biogrüne Leere der Gedanken. Der Wolken Schattenkühle bezweifelt sein Verweilen und die Akkumulation einer Dichte des Seins. Ein unerfreutes Brautpaar posiert sich dem Bildnis zwischen den steinernen Löwen im Rosenspalier, so als wären sie nicht bei sich; der Bräutigam, kaum auszumachen, wie verloren, ein Figurant. Hinter ihm, aus der linken Ecke, entströmt das Schweigen den vergitterten Fenstern der Haftanstalt. Die Schritte einer jungen Frau mit Kinderwagen klappern rechterhand vorüber. Jungvögel piepsen aus den Zweigen. Kein greifbares Gefühl ihm, denn ein herber großmütterlicher Frieden. Ja, da ist Raum zu atmen; der Schemen eines unergriffenen Schreibers in der Notation. Die blaue Tinte aus dem Federhalter schiebt den Ballen, der Ellenbogen ankert auf der Seitenlehne; so die Sammlung in der Dreipunktstatik eines Körpers, der Statik einer Psyche wie am Rande der Galaxie - hier nun im Fokus eines Magerittenblümchens. Im Linienspiel der Feder gewahrt er verhalten die verbindende Zärtlichkeit, den Trost der Poesie.

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Mittwoch, 29. November 2006
Kleine Fische und das Heil der Welt
Sardinen. Hin und wieder öffne ich eine dieser kleinen und gewichtigen Dosen. Seit ein paar Jahren schon wundert es mich, wie es die verarbeitende Industrie schafft, diese Fischchen so ganz und gar säuberlich ihres Schuppenkleids zu entledigen. Meine Vermutung dazu war, dass da vielleicht mit einem Enzymbad gearbeitet würde. Es gibt ja sehr viele Enzymen, die in der Lebensmittelindustrie für alles Mögliche eingesetzt werden. Nun kam mir dabei an diesem Tag auch einmal wieder Yahoo! Clever in den Sinn. Warum schwimmen die Sardinen nun nackt in der Dose? So stellte ich dort meine Frage in das Forum. Ja, ich neige nun einmal dazu, in meiner Wortwahl nicht allzu langweilig zu klingen. Wenn du schon einmal hier bist, so dachte es mich da, dann kannst du gleich auch noch ein bisschen die Welt Infrage stellen. Warum betreiben die mächtigen Staaten der Welt immer nur ihre Interessenpolitik und nicht eine brüderliche Politik der Problemlösungen innerhalb einer Weltgemeinschaft, eine Politik in der alle Teilnehmer die Gewinner sind? Innerhalb weniger Stunden gingen ein Duzend Antwortmeldungen in meinem Postfach ein. So schrieb die inspirierte Gini: Ihre Haut ziehen sie sich alleine aus, weil es in dem Gedränge einfach zu warm wird, außerdem lieben Sardinen den Körperkontakt. Technotanzen2000 schrieb sinnig belebt: Die Sardinenbüchse ist der moderne Schwingerklub für Fische, deshalb der enge Körperkontakt und die nackten Fischchen. Hier nun fand ich mich ein wenig überrascht, ich hatte tatsächlich nicht damit gerechnet, dass mir auf meine Frage mit solch luftigem Humor begegnet würde. Auf diese Ebene katapultiert, empfand ich auf einmal die Diskrepanz zwischen der Frage nach den kleinen nackten Fischchen und dem Infragestellen der Weltpolitik. Wie kannst du nur beides quasi in einem Atemzug denken? Fragte es mich. Eine Dose nackter Sardinen und das Heil der Welt. Da lautete die Antwort von Elbnixe45: Weil man sie lässt. Und Laurin schrieb: Weil sie letztlich von Menschen geführt werden und was uns im Kleinen schon schwer fällt, wird im Großen fast unmöglich. Auch zur ersten Frage hatte er mir eine Antwort, sie lautete: Die rechnen nicht damit das du ihnen Plötzlich das Dach über dem Kopf abziehst und sie dann alle nackt vor dir liegen ... würdest du vorher anklopfen, würden sie sich selbstverständlich etwas anziehen. Ich war baff. Wunderbar, dachte ich, da ist nun so ein neuer kleiner Witz geboren, es freute mich. Und Malerba schließlich klärte mich auf: Die Haut wird entweder mittels Handarbeit (bei Eigenproduktion) oder maschinell abgezogen. Was also hat der kleine Fisch mit der Weltpolitik tun? Dachte es mich da wieder. Liegt es vielleicht in einem noch tieferen Geheimnis des Fischsymbols der alten und noch wahren Christen? Und ja, siehst du, so hast du ein Wenig das Wissen, den Humor, das Christsein, das Heil der Welt und den Absatz der Sardinendosen befördert.

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