Mittwoch, 29. November 2006
Kleine Fische und das Heil der Welt
epiphanius, 00:17h
Sardinen. Hin und wieder öffne ich eine dieser kleinen und gewichtigen Dosen. Seit ein paar Jahren schon wundert es mich, wie es die verarbeitende Industrie schafft, diese Fischchen so ganz und gar säuberlich ihres Schuppenkleids zu entledigen. Meine Vermutung dazu war, dass da vielleicht mit einem Enzymbad gearbeitet würde. Es gibt ja sehr viele Enzymen, die in der Lebensmittelindustrie für alles Mögliche eingesetzt werden. Nun kam mir dabei an diesem Tag auch einmal wieder Yahoo! Clever in den Sinn. Warum schwimmen die Sardinen nun nackt in der Dose? So stellte ich dort meine Frage in das Forum. Ja, ich neige nun einmal dazu, in meiner Wortwahl nicht allzu langweilig zu klingen. Wenn du schon einmal hier bist, so dachte es mich da, dann kannst du gleich auch noch ein bisschen die Welt Infrage stellen. Warum betreiben die mächtigen Staaten der Welt immer nur ihre Interessenpolitik und nicht eine brüderliche Politik der Problemlösungen innerhalb einer Weltgemeinschaft, eine Politik in der alle Teilnehmer die Gewinner sind? Innerhalb weniger Stunden gingen ein Duzend Antwortmeldungen in meinem Postfach ein. So schrieb die inspirierte Gini: Ihre Haut ziehen sie sich alleine aus, weil es in dem Gedränge einfach zu warm wird, außerdem lieben Sardinen den Körperkontakt. Technotanzen2000 schrieb sinnig belebt: Die Sardinenbüchse ist der moderne Schwingerklub für Fische, deshalb der enge Körperkontakt und die nackten Fischchen. Hier nun fand ich mich ein wenig überrascht, ich hatte tatsächlich nicht damit gerechnet, dass mir auf meine Frage mit solch luftigem Humor begegnet würde. Auf diese Ebene katapultiert, empfand ich auf einmal die Diskrepanz zwischen der Frage nach den kleinen nackten Fischchen und dem Infragestellen der Weltpolitik. Wie kannst du nur beides quasi in einem Atemzug denken? Fragte es mich. Eine Dose nackter Sardinen und das Heil der Welt. Da lautete die Antwort von Elbnixe45: Weil man sie lässt. Und Laurin schrieb: Weil sie letztlich von Menschen geführt werden und was uns im Kleinen schon schwer fällt, wird im Großen fast unmöglich. Auch zur ersten Frage hatte er mir eine Antwort, sie lautete: Die rechnen nicht damit das du ihnen Plötzlich das Dach über dem Kopf abziehst und sie dann alle nackt vor dir liegen ... würdest du vorher anklopfen, würden sie sich selbstverständlich etwas anziehen. Ich war baff. Wunderbar, dachte ich, da ist nun so ein neuer kleiner Witz geboren, es freute mich. Und Malerba schließlich klärte mich auf: Die Haut wird entweder mittels Handarbeit (bei Eigenproduktion) oder maschinell abgezogen. Was also hat der kleine Fisch mit der Weltpolitik tun? Dachte es mich da wieder. Liegt es vielleicht in einem noch tieferen Geheimnis des Fischsymbols der alten und noch wahren Christen? Und ja, siehst du, so hast du ein Wenig das Wissen, den Humor, das Christsein, das Heil der Welt und den Absatz der Sardinendosen befördert.
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