Donnerstag, 2. August 2007
Die Dialektik der Sünde
epiphanius, 15:03h
Die Gesellschaft befindet sich in dem Zustand der Gottesferne; ersichtlich ist dieser Befund vor allem daran, daß diese die Angst vor der ökonomischen Mangelsituation und die Angst vor dem Feind bzw. dem Konkurrenten in ihrem Handeln als absolute Bezugspunkte betrachtet. Aus der Sicht des Jahwisten ist es die Ursünde des Menschen, sich nicht mehr Gott als dem einzigen Absoluten zuzuwenden, sondern die nun pluralen Absolutsetzungen auf Relatives zu richten. Der einzelne Mensch in der Gesellschaft, der diese falschen Absolutsetzungen übernimmt, macht sich in gleicher Weise schuldig. Der Einzelne in seiner primären Orientierung an Gott ist also dazu berufen, das gottlose Angsthandeln aller auf Gott hin zu überschreiten. Hierin wird deutlich, daß der genuin in Gott Vertrauende die Welt mit völlig anderen Augen sieht und auch sein Handeln unter ganz anderer Prämisse steht. Hierin wird deutlich, daß aller zivilisatorische Fortschritt der Gesellschaft in fataler Weise zu immer mehr Gottesferne führen muß. Hierin wird deutlich, daß der Mensch in seinem Abfall von Gott unter dem Zwang steht, sich nunmehr selbst zum Gott-gleichen zu machen. ... So eine der Rekapitulationen des Autors in seiner Beschäftigung mit Eugen Drewermanns 'Strukturen des Bösen', einer exegetischen wie psychologischen und philosophischen Untersuchung zur jahwistischen Urgeschichte Gn 3,1-11. Zitat aus Band III S. 360: 'Die Dialektik der Sünde basiert auf einer ständig schuldhaften Als-ob-Notwendigkeit, die ich selbst für mich durch meinen Sündenfall konstituiere.'
... comment