Mittwoch, 20. September 2006
Die Verleugnungsindustrie
George Monbiot deckt in seinem neuen Buch mit dem Titel "The denial industry" auf, dass es Institutionen gibt, die gezielt die Forschungsergebnisse zur globalen Erderwärmung konterkarieren. Sie tun dies durch Selektion und Förderung von widersprüchlichen Ergebnissen, denen sie in der Öffentlichkeit eine erhöhte Repräsentanz verschaffen.

Sie diskreditieren auch die ihnen ungelegen kommenden Forschungsberichte. Sie betreiben eine verdeckte Medienpolitik mit der Platzierung von Tendenzartikel um in der Bevölkerung und in der Politik klimapolitische Maßnahmen als nicht opportun erscheinen zu lassen.

Diese Undercover Dunkellobby beschreibt er auch als ein weit verzweigtes Netzwerk bestehend aus Finanzierungen bis in Universitäten hinein.

Diese Organisationen tarnen sich als unabhängige Institutionen und als Bürgerbewegungen. Neben der ›Kein Klimawandel‹ Politik betreiben sie auch eine Zuarbeit für Teile der Tabakindustrie. Hier versuchen sie aktuell die Forschungsergebnisse um die Schädlichkeit des Passivrauchens zu entkräften.

Als Finanzier der verdeckten Klimapolitik führt er den weltgrößten Mineralölkonzern ExxonMobil auf, für die Raucherpolitik benennt er Philip Morris. Eine Besprechung des Buches in Englischer Sprache findet sich im Guardian: The denial industry

Dies ist mir exemplarisch und ein Anstoß, sich einmal mehr darüber klar zu werden, dass Teile der Wirtschaft immer wieder solcherart Dunkellobbyismus betreiben um die öffentliche Meinung in ihre Interessenlage zu steuern.

Wenn ich überlege, auf welchen Gebieten dies wohl noch so laufen könnte, fällt mir spontan das Thema Elektrosmog und Handys ein; die Atomkraft wird wahrscheinlich wieder hoch kommen; die Wirtschaftsverbände in Deutschland sind ja schon länger als hoch aktive Undercover-Meinungsbildner gebrandmarkt.

Laut CorpWatch haben sich etwa 15 000 Lobbyisten in Brüssel eingerichtet. Business as usual!


Mehr Transparenz, müßte hier wohl die Forderung lauten; insbesondere die Offenlegung aller Finanzierung. Dies erscheint mir aber inzwischen alles als geradezu hoffnungslos.

Die Wirtschaft hat sich in großen Teilen eindeutig in die tief dunkle und abgründige Sphäre des Menschengeistes begeben; die Verantwortlichen und Mitläufer werden ihren gerechten Lohn ernten.

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