Mittwoch, 20. September 2006
Gedanken zur Sprache
epiphanius, 15:31h
Auch ich kann von manchem Sprachgebrauch verletzt oder erregt sein; mitunter ganz heftig sogar; selbst wenn es mich nicht persönlich betrifft.
Ein nicht verletzender Sprachgebrauch, soll jedem erlaubt sein; da soll jeder reden können wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Der freie Sprachgebrauch ist ein zentraler Aspekt der Freiheit; inhaltlich soll man argumentieren können. Gut, auch eine bewußte Provokation kann hin und wieder ein Gespräch erst in Bewegung bringen.
Da gibt es ja auch so etwas wie die offizielle Sprachregelung für manche Themen; hier wird diese Freiheit eingeschränkt.
Aktuell versuchen die Franzosen und die Iraner ihren Sprachraum von Fremdwörtern zu reinigen; insbesondere von den Anglizismen. Auch im Deutschen gibt es „Sprachpflege“. Es leuchtet mir ein, dass man die eigene Sprache durch ein Übermaß an Fremdwörtern ganz schön verhunzen kann.
Zur Kontroverse um die Rechtschreibreform möchte ich anmerken, dass es mir manchmal so anmutete, als wurde da ein altes, zartes Pflänzchen mit der Brechstange in eine neue Form zu bringen versucht.
Sprachhygiene? So etwas kann wohl nur in der Familie mit Kind oder in den Medien von Relevanz sein. Und hier scheint mir auch die Pflege der grundlegenden Gefühlslage und der Kommunikation überhaupt wichtiger, als der Versuch, der Vulgärsprache an einzelnen Wörtern Einhalt zu gebieten.
Im Nachhinein betrachtet ist wohl meine jahrelange Sprachsozialisation an den Blasengeburten der Micky Maus nicht sonderlich schädlich ausgefallen; dass ich heute nicht umhin kann, überall die Onkel Dagoberts im Geld baden zu sehen, ist sicher einer solcher Prägung geschuldet; so etwas kann ja nun wirklich nicht wahr sein.
Sprache ist ein oder der wichtige Katalysator des kollektiven Bewußtsein. Sie zu beobachten und hin und wieder mit früheren Sprachgebrauch zu vergleichen ist schon interessant. Die Sprachbilder oder Metaphern sind ja überwiegend mythologischer Natur. Die alten Bilder sind uns heute oft schwer verständlich.
Wer die Klaviatur der Sprachbilder beherrscht der hat auch eine gewisse Macht im Sprachraum; der kann so etwas wie die Volksseele prägen oder ausdeuten. Ich denke hier an die Bedeutung, die Fjodor Michailowitsch Dostojewskij in Russland einnimmt oder einnahm. Die geradezu staatstragenden Sprachformungen und - Regelungen des Dritten Reichs erscheinen mir hier von Bedeutung und vielleicht einmal einer genaueren Betrachtung wert.
Als Schreibender interessiert mich hin und wieder die Etymologie eines Wortes, seine Ursprünge und Bedeutungen und Bedeutungswandel; insbesondere, wenn ich das Wort richtig verwenden oder verstehen möchte.
Der Sprachgebrauch verrät manchmal auch etwas über die psychologische Konstitution des Sprechers; über seine Sozialisation, über seine Gefühlslage, über seine geistige Klarheit und seine Intelligenz; über seine Traumata, seine Komplexe; vielleicht auch über seine verborgenen Absichten; über seine Stellung im Gespräch.
Sprache ist auch so etwas wie die Musik der Seele auf dem Instrument des Körpers oder gar des Volkskörpers; da ist alles drin, Rhythmus, Melodie, Satz, Tempi, Spannung, Klang, Struktur, Auflösung, Fluß und Bögen.
Sprache dient der Kommunikation; der Mitteilung ... da gibt es etwas zu Futtern oder ... ich liebe dich oder ... nun pass mal auf, die Welt ist so und so.
Sprache ist ein Werkzeug des Denkens.
Wer in der Sprache einleuchtende Formulierungen oder passende Wortzuweisungen für bislang nicht verstandene oder benannte Verhältnisse prägt, der ist so etwas wie ein Entdecker von Neuland für die Sprache.
Wer bekannte Verhältnisse elegant und prägnant neu formuliert und vielleicht auch mit neuem Sinn belegt ist ein Sprachkünstler oder Aufklärer.
Mit der Sprache kann der Mensch ... urteilen, heilen, lieben, benennen, herrschen, führen, erklären, bedeuten, erzählen, schweigen, erlösen, befreien, versklaven, bitten, verstoßen, Nähe schaffen, Gemeinschaft stiften, Frieden schaffen, lehren, lügen, wahr sein, strafen, demütigen, beglücken, ehren, verführen, blenden, verwirren, motivieren, die Fantasie anregen, schmerzen, verheimlichen, spiegeln, diskriminieren, aufklären, sich freuen, Freunde finden, beten, danken ...
Ein nicht verletzender Sprachgebrauch, soll jedem erlaubt sein; da soll jeder reden können wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Der freie Sprachgebrauch ist ein zentraler Aspekt der Freiheit; inhaltlich soll man argumentieren können. Gut, auch eine bewußte Provokation kann hin und wieder ein Gespräch erst in Bewegung bringen.
Da gibt es ja auch so etwas wie die offizielle Sprachregelung für manche Themen; hier wird diese Freiheit eingeschränkt.
Aktuell versuchen die Franzosen und die Iraner ihren Sprachraum von Fremdwörtern zu reinigen; insbesondere von den Anglizismen. Auch im Deutschen gibt es „Sprachpflege“. Es leuchtet mir ein, dass man die eigene Sprache durch ein Übermaß an Fremdwörtern ganz schön verhunzen kann.
Zur Kontroverse um die Rechtschreibreform möchte ich anmerken, dass es mir manchmal so anmutete, als wurde da ein altes, zartes Pflänzchen mit der Brechstange in eine neue Form zu bringen versucht.
Sprachhygiene? So etwas kann wohl nur in der Familie mit Kind oder in den Medien von Relevanz sein. Und hier scheint mir auch die Pflege der grundlegenden Gefühlslage und der Kommunikation überhaupt wichtiger, als der Versuch, der Vulgärsprache an einzelnen Wörtern Einhalt zu gebieten.
Im Nachhinein betrachtet ist wohl meine jahrelange Sprachsozialisation an den Blasengeburten der Micky Maus nicht sonderlich schädlich ausgefallen; dass ich heute nicht umhin kann, überall die Onkel Dagoberts im Geld baden zu sehen, ist sicher einer solcher Prägung geschuldet; so etwas kann ja nun wirklich nicht wahr sein.
Sprache ist ein oder der wichtige Katalysator des kollektiven Bewußtsein. Sie zu beobachten und hin und wieder mit früheren Sprachgebrauch zu vergleichen ist schon interessant. Die Sprachbilder oder Metaphern sind ja überwiegend mythologischer Natur. Die alten Bilder sind uns heute oft schwer verständlich.
Wer die Klaviatur der Sprachbilder beherrscht der hat auch eine gewisse Macht im Sprachraum; der kann so etwas wie die Volksseele prägen oder ausdeuten. Ich denke hier an die Bedeutung, die Fjodor Michailowitsch Dostojewskij in Russland einnimmt oder einnahm. Die geradezu staatstragenden Sprachformungen und - Regelungen des Dritten Reichs erscheinen mir hier von Bedeutung und vielleicht einmal einer genaueren Betrachtung wert.
Als Schreibender interessiert mich hin und wieder die Etymologie eines Wortes, seine Ursprünge und Bedeutungen und Bedeutungswandel; insbesondere, wenn ich das Wort richtig verwenden oder verstehen möchte.
Der Sprachgebrauch verrät manchmal auch etwas über die psychologische Konstitution des Sprechers; über seine Sozialisation, über seine Gefühlslage, über seine geistige Klarheit und seine Intelligenz; über seine Traumata, seine Komplexe; vielleicht auch über seine verborgenen Absichten; über seine Stellung im Gespräch.
Sprache ist auch so etwas wie die Musik der Seele auf dem Instrument des Körpers oder gar des Volkskörpers; da ist alles drin, Rhythmus, Melodie, Satz, Tempi, Spannung, Klang, Struktur, Auflösung, Fluß und Bögen.
Sprache dient der Kommunikation; der Mitteilung ... da gibt es etwas zu Futtern oder ... ich liebe dich oder ... nun pass mal auf, die Welt ist so und so.
Sprache ist ein Werkzeug des Denkens.
Wer in der Sprache einleuchtende Formulierungen oder passende Wortzuweisungen für bislang nicht verstandene oder benannte Verhältnisse prägt, der ist so etwas wie ein Entdecker von Neuland für die Sprache.
Wer bekannte Verhältnisse elegant und prägnant neu formuliert und vielleicht auch mit neuem Sinn belegt ist ein Sprachkünstler oder Aufklärer.
Mit der Sprache kann der Mensch ... urteilen, heilen, lieben, benennen, herrschen, führen, erklären, bedeuten, erzählen, schweigen, erlösen, befreien, versklaven, bitten, verstoßen, Nähe schaffen, Gemeinschaft stiften, Frieden schaffen, lehren, lügen, wahr sein, strafen, demütigen, beglücken, ehren, verführen, blenden, verwirren, motivieren, die Fantasie anregen, schmerzen, verheimlichen, spiegeln, diskriminieren, aufklären, sich freuen, Freunde finden, beten, danken ...
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