Mittwoch, 20. September 2006
Sprache und Weltbild V 0.7
Liebe Leser, ich grüße Sie aus der recht klammen Luft der späten Nacht des flachen Nordens.

Sprache ist schon eine feine Sache. Wir kommunizieren uns damit nicht nur, dass wir gerade etwas kalte Füße haben, wir drücken damit auch unsere Liebe und Sorge zum Partner und zum Leben aus.

Auch versuchen wir uns mitzuteilen, wie wir die Welt verstehen; wir erzählen uns Weltbilder und Geschichten; wir konstruieren uns mit unserer Sprache meist unbewußt auch eine geistige Welt.

Wenn Du dies liest, dann denkst Du vielleicht ... aha so sieht der das also und dazu vielleicht auch noch ... ja, das klingt plausibel, das ist eingängig formuliert, das mache ich mir zu eigen.

Ein intelligenter, interessanter Sprachgebrauch ist also auch potentiell die Konstruktionsarbeit an einem kollektiven Bewußtsein.

Im Extrem kann diese Konstruktionsarbeit zu revolutionären und schlimmen Entwicklungen führen; Karl Marx mit seinem Kapital sei hier erwähnt und auch, dass der Entführer der jungen Frau Natascha Kampusch, einer Vermutung zufolge, durch das Szenario eines amerikanischen Psychothrillers zu solcher Tat angeregt wurde. Es liegt nun offen zutage, dass die US Regierung eine Manipulation der öffentlichen Meinung betreibt und durch die Vorspiegelung falscher Tatsachen Kriege begründet. Eine Studie belegt, wie die NDR-Produktion 'Sabine Christiansen' die Reformdiskussion systematisch beeinflusst.

Es ist natürlich keine neue Erkenntnis, dass dieses kollektive Bewußtsein eine ständige Arena für die Kämpfe der Interessen ist. Jede Partei will sich in das rechte Licht setzen.

Das rechte Licht ist immer noch das helle Licht; die Wahrheit, die Aufklärung, die Freiheit, der Frieden, Legitimität und Gleichberechtigung, das Recht, das Wohl für die Menschheit, der Sozialstaat, die Nächstenliebe, die Menschenwürde, die Verantwortung, die zukunftsträchtige Lösung von Problemen, das ökologische Verhalten, das Eingestehen und die Korrektur von Fehlern.

Das falsche Licht ist immer noch dass der Dunklen Mächte; das Unrecht, die Ungerechtigkeit, die Intoleranz, die Lüge, das egoistischen Verhalten, der Machtmissbrauch, die kurzsichtige Lösung, das Spiel mit den Ängsten, die Unterdrückung, die Manipulation, der Krieg und die Gewalt, das Anhäufen von Kapital, das sich der sozialen Verantwortung entzieht.

Für die Hauptakteure auf den Bühnen des kollektiven Bewußtsein, das sind die politischen Parteien und die Interessenvertretungen der Wirtschaft, gilt, dass sie allein schon ihre Präsenz auf diesen Bühnen als das Wichtigste erachten. Ihre Botschaften sind mittlerweile in ein professionelles Schauspiel der Manipulation verpackt. Ja, oft wird der Einzelne gar nicht gewahr, dass diese Präsentation auf der öffentlichen Bühne in Wahrheit die versteckte Interessenpolitik einer Lobbiistengruppe ist.

Die Öffentlichen Medien sind eigentlich zu einer transparenten, neutralen und ausgewogenen Berichterstattung verpflichte; in ihnen darf eigentlich keine versteckte oder offene Parteinahme stattfinden. Sie sollen idealerweise das neutrale Spiegelbild der öffentlichen Meinung sein und zu einer freien Meinungsbildung beitragen.

Dass diese anspruchsvolle Grundhaltung heute natürlich vollkommen durchlöchert erscheint sehen wohl die meisten Menschen so. Es ist ein bedauernswerter und schlimmer Zustand.

Hinzu kommt, das sich in der Handhabung der Medien, ob ihrer Variabilität, eine unendliche Bandbreite des manipulativen Gebrauchs zur Verfolgung von Interessen eröffnet; es beginnt schon allein mit der simplen Entscheidung, über ein Geschehen zu berichten oder nicht.

Sich dieser Problematiken der Medien bewußt, sollte jeder Mensch eigentlich eine sehr kritische und wachsame Haltung in ihrer Rezeption bewahren; die Medienkompetenz ist hier das Stichwort; darin lautet eine Regel, es ist schon ein Fehler nur die eine Zeitung zu lesen und eine andere, der Bürger befindet sich immer in einem Zustand der Konditionierung. Du entscheidest, mit was und wie du dich konditioniert; du bist letztendlich verantwortlich für dein Weltbild; das kann auf Fundamenten stehen oder auch auf Sand gebaut sein; hier aus dem Sand, der in die Augen gestreut wird.

Ich erinnere hier noch an die Worte Jesu in Matthäus 15,18: 'Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung.'

Aus dem zuvor Gesagten wird klar, dass der Mensch hier nicht der Einzelne, sondern die Gemeinschaft bedeutet. Jedes unbedachte, jedes schlechte, jedes unwahre Wort oder Bild kratzt an der Konstitution der Gesellschaft.

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