Mittwoch, 20. September 2006
Dynamik der Liebe V 1.0
Liebe Leser von Epiphanius' Wortbruch. Ich grüße Sie herzlich aus der Missionshütte der Mission für das deutschsprachige Europa und möchte sie heute morgen ein wenig auf die Spuren der Liebe setzen; sie ihnen so zu sagen schmackhaft machen. Meine Blogfreunde werden hier vielleicht etwas große Augen machen und womöglich auch mit den Ohren schlackern. Die Begrüßung mit der Mission ist natürlich nicht so ganz ernst gemeint. Ich habe diese mir aus täglichem Gebrauch lieb gewordene Formel von der seelischen und geistlichen Tankstelle im Internet entwendet und modifiziert: http://www.auftanken.de/. Damit ist aber nun auch gleich wieder Schluss und der nachfolgende Text authentisch reiner Epiphanius.

Hier nun mein Versuch an einer kleinen Dynamik der Liebe.

Suchet zuerst das Reich Gottes, dann wird euch alles gegeben.

Ohne die immer wieder erneuerte primäre Hinwendung zu Gott erlischt unsere Liebe, unsere Liebesfähigkeit.

Wir sind dann wie in einem Gefängnis in uns selbst und mit dem Partner.

In der Gottsuche schaffen wir einen Abstand zu uns selbst und zu unserem Partner.

In dieser Transzendenz erst können wir uns selbst wirklich akzeptieren und begreifen wie und was wir sind; in ihr erst können wir SEIN und einen Ruhepol finden, zur eigenen Ganzheit reifen.

Aus der Ruhe dieser Ganzheit erwächst uns die Fähigkeit den Partner als das zu erkennen was er ist, und zwar in einer Weise, die ihn selbst sich Selbst SEIN läßt, ihn nicht verbiegt.

Hier haben beide Partner Raum und Freiheit, hier lieben sie sich in der Liebe Gottes.

Und diese Liebe grenzt auch keinen anderen Menschen aus, sie hat keine Angst auch dem Bettler auf der Strasse zu begegnen, sie hat kein illusionäres Selbstbild mehr, sondern fühlt sich selbst in allen Menschen einschließlich der ganzen Schöpfung; hieraus erwächst das genuine Mitleid und Mitgefühl, dieses lässt sich auch nicht irritieren von dem eventuell aggressiven Verhalten eines Gegenüber.

Hier ein Konzept meines Verstehens der Liebe erweitert um den Aspekt der körperlichen Vereinigung.

In der Bibelsprache ist das dieses Ein Fleisch Werden zweier Menschen.
Es generiert eine sehr starke Partnerbindungen; welche sich ja auch damit erklären läßt, dass Kinder gezeugt werden und groß gezogen werden müssen.

Wenn diese körperliche Vereinigung, der Sex der Partner, nicht gerade in gewissen trantrischen Formen praktiziert wird, hat sie als Ergebnis, dass die Transzendenz oder Gottesnähe für ein Weile erlischt oder vermindert wird; die Partner sich also extrem nahe kommen auf kosten der Gottesnähe; das heißt also auf kosten der göttlichen Liebe.

Man merkt dies manchmal ganz eklatant daran, dass sich das Verhältnis der Partner zur Welt in einer Form ändert, die ein nun deutlich werdendes Getrenntsein von der gemeinschaftlichen Sphäre signalisiert. Ja, sich sehr körperlich liebende Paare werden oft sogar von der Umwelt befeindet.

Dieses Separatverhältnis durch die körperliche Liebe wird übrigens in dem christlichen Ritus der Eucharistie wieder aufgehoben. Das ist meiner Meinung nach ein Hauptaspekt dieses gewaltigen Mysteriums.

Ganz extrem sichtbar wird dieses Separationsphänomen auch durch die Praxis exzessiven Sexes. Da stürzen dann mythisch gesprochen alle Himmel ein; die Partner sehen sich plötzlich mit der Tatsache konfrontiert, dass sie keine tragfähige seelisch psychische Basis mehr finden.

Aus dem Gesagten wird deutlich, dass es durchaus auch einen Sinn macht, weshalb die katholische Kirche von ihren Priestern das Zölibat fordert. Die Priester sollen ein ununterbroches Bewußtsein der Gottesliebe und damit dieser universellen Liebe zu ihrer Gemeinde leben. Das ist natürlich eine äußerst schwierige Forderung. Wer es jedoch schafft, der wird in dieser göttlichen Liebe so stark, dass er ein gewisses Charisma, eine Ausstrahlung, auch eine besondere Kraft und Einsicht in die mythologischen Sphären erlangt.

Mit freundlichen Grüßen aus Barwedelius verbleibe ich Ihr Epiphanius.

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