Samstag, 2. September 2006
Heiligenkirmes
So ist denn auch der Rummel um die Heiligenbildnisse einmal zu beleuchten. Zahlreiche Stationen meiner Wanderjahren waren dies bezüglich von eine bitteren Desillusionierung geprägt. Die Konstellationen um Heiligenbildnisse und Wallfahrtsorte liessen mich diese dominant als hochprofitable Institute zur Spendenakquise erkennen.

Die ganz auf den Naivgläubigen abgestimmte süß theatralische Inszenierung eines Heiligentheaters mit anhängiger überbordender Paraphernalienwirtschaft und globaler Wallfahrtstourismusindustrie erscheint mir heute als ein abscheulicher instrumentalisierter Götzenkult.

Man könnte auch einwenden, die Kirche domestiziert hier ein großes, sonst vagabundierendes Bedürfnis. Diese Praxis ist ja über Jahrtausende erwachsen. Da war kein Kloster ohne ein Stück Holz von dem Kreuz oder dem Knochen oder Schweißtuch oder sonst Etwas eines Heiligen. Das bedeutete schon immer die Existenzsicherung und sie ist es ja auch noch, auch außerhalb; mein Beispiel hier die prosperierende Wunderwelt der Esoterik.

Jedes beispielhafte, gottesnahe Leben, dass von der Kirche post mortem zum Heiligen erklärt wird, wird so zu einem endlos sprudelnden Spendenquell veredelt.

Aber nicht nur die profitable Verklärung der Heiligen war mir Anstoß; auch die gloriose Inszenierung der Priesterschaft in manchen Kirchen sowie der Nonnen und Mönche in manchen Klöstern erschien mir als höchst suspekt. Ich fragte mich, mit welchem Recht wird hier Selbstverherrlichung betrieben. Das sind nicht Gottes Kleider! Ein positives Gegenbild durfte ich übrigens für ein paar Tage in der Communauté de Taizé erleben.

Da zündet sich mir auch die kritikale Frage, ob nicht solche Praxis sich selbst wieder ganz böse mit Bildern wie denen des Ablasshandels kompromittiert. Der Zweck heiligt nicht die Mittel.

Hier subsumiert sich mir das innere Wirken der Religionssozietät zu der Überschrift eines noch zu schreibenden Buches: Die Kybernetik der Herzenseröffnung, der Mythologisierung, der herrschaftlichen Manipulierung und Schröpfung des Menschen.

Jesus, was hat man aus Dir gemacht!

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