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Sonntag, 29. Juli 2007
Im Linienspiel der Aurich-Feder
epiphanius, 16:31h
Samstag-Mittag-Schwebung auf der einzigen Bank im Schloßhof, auf dem Rasen vor der Front der Staatsanwaltschaft. Luftzug wiegt den Blattschatten gravitätischer Bäume. Nach der Haltlosigkeit im Strom der Flanöre, Sinnenruhe hier im Vogelsang. Den Kopf verglüht an Drewermannens Schriften, tastet er nach sich in den Worten der Situation; substanzlos scheinen sie ihm; Himmel, Wind und Sonne erzeigen ihm die biogrüne Leere der Gedanken. Der Wolken Schattenkühle bezweifelt sein Verweilen und die Akkumulation einer Dichte des Seins. Ein unerfreutes Brautpaar posiert sich dem Bildnis zwischen den steinernen Löwen im Rosenspalier, so als wären sie nicht bei sich; der Bräutigam, kaum auszumachen, wie verloren, ein Figurant. Hinter ihm, aus der linken Ecke, entströmt das Schweigen den vergitterten Fenstern der Haftanstalt. Die Schritte einer jungen Frau mit Kinderwagen klappern rechterhand vorüber. Jungvögel piepsen aus den Zweigen. Kein greifbares Gefühl ihm, denn ein herber großmütterlicher Frieden. Ja, da ist Raum zu atmen; der Schemen eines unergriffenen Schreibers in der Notation. Die blaue Tinte aus dem Federhalter schiebt den Ballen, der Ellenbogen ankert auf der Seitenlehne; so die Sammlung in der Dreipunktstatik eines Körpers, der Statik einer Psyche wie am Rande der Galaxie - hier nun im Fokus eines Magerittenblümchens. Im Linienspiel der Feder gewahrt er verhalten die verbindende Zärtlichkeit, den Trost der Poesie.
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