Dienstag, 22. August 2006
Synchronizitäten
Regen prasselt; am offenen Fenster; blicke durchs Geäst hinauf zu grauem Himmel; die Baumwipfel wogen in den Böen, wie Wellen aufgewühlten Meeres; pilzgeschwängert feucht die Waldluft. Der Rollkragenpulli hält mir die Wärme im Leibe.

Heute Mittag, mit dem Fahrrad unterwegs zur Stadt; plötzlich Hilferufe aus dem Garten; ein alter Mann lag unter seinem Appelbaum. Ich fluchte. Der Eimer mit dem Fallobst lag verschüttet; er daneben, unglücklich gefallen; unter die tiefen, mit Latten gestützten, obstvollen Äste. Er, ob eines alten Schlags nur schwer beweglich; schwer zu bergen. Der Schnabel sprach von Unversehrtheit, seit einer halben Stunde liegt er schon. Ich klingelte die Frau zur Hilfe. Die hätte ihn erst zum Essen vermisst; sprach, „ich hab dir doch gesagt du sollst nicht ... !“ Wir bekamen ihn doch leichter wieder auf die steifen Beine und führten ihn ins Haus hinein; die hellblaue Cordhose voll feuchter Gartenerde. Als ich zum Fahrrad ging, fuhr mir ihr gelbes Auto um die Ecke; es grüßten sich wir zwei ganz liebe.

Als ich eintrat sprachen ihrer Hände von Gereiztheit. „Es tut mir leid, dass ich so spät bin.“ ... „Ach das macht doch nichts", sagte sie und hatte damit wieder ihre Ruhe.

Saß noch auf den Stufen des entkernten Hauses, da am Skaterplatz. Drei Jungens übten sich im Kunstsatz, friedlich und ganz cool. Hinter mir die Kindergartengruppe auf dem Rasen. ›Schönes Gelände‹, dachte ich ›und vorbildlich für's Städtchen; ja, hier kann der freie Wanderer im Sack des nachts auch zünftig trocken ruhen‹.

Auf dem Heimweg half mir der Rückenwind. Der Postkasten war leer; das Klappern der Kette, das Öffnen des Schlosses; die Kätzchen mauzten erwartungsvoll entgegen. Ich sprach: „Ja doch, meine Lieben, ich hab euch heute etwas mitgebracht!“

Vorhin, auf dem Bette verschnaufed, riß mich ein Poltern vorzeitig hoch; die Neuronen errechneten Erschüttern, vielleicht das Fallen eines Baumes; neben der Hütte lag der dicke, abgeworfener Birkenast.

Der Rücken schmerzt ein wenig. Ich kaue auf zwei goldenen Mirabellen, lutsche an den Kernen. Am Samstag war ich ihm begegnet; völlig unberührt und voller Früchte; im Strauchwerk am Rande diese Neubauviertels schmucker Häuschen. ›Merkwürdig‹, hatte ich gedacht, ›dass hier noch keiner pflückte, vielleicht aus Angst den Status zu verlieren, nimmt man nunmehr kein Geschenk mehr der Natur‹.

Über Synchronizitäten hatte ich gestern Abend noch geschrieben ... Grüße an die Freunde hier. Epiphanius

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